„Ökostrom" steht heute auf fast jedem Tarif – aber nicht überall, wo Öko draufsteht, ist auch echter Ökostrom drin. Dieser Beitrag zeigt, wie du echten Ökostrom in Stuttgart von cleverem Marketing-Greenwashing unterscheidest und welche Tarife wirklich zur Energiewende beitragen.
Schnellantwort: Achte auf Gütesiegel wie „Grüner Strom" oder „ok-power" – die garantieren, dass dein Geld in NEUE Erneuerbare-Anlagen investiert wird. „Ökostrom mit Wasserkraft-Zertifikaten" allein ist oft nur Bilanz-Zauberei – physikalisch fließt der gleiche Mix-Strom aus dem Netz, aber bilanziell wird er als grün ausgewiesen.
Wie funktioniert Ökostrom physikalisch?
Aus deiner Steckdose kommt immer der gleiche Strom-Mix – egal welchen Anbieter du hast. Strom lässt sich im Netz nicht „färben". Was sich unterscheidet: woher dein Anbieter den Strom kauft, der bilanziell deinem Verbrauch zugeordnet wird.
Beim Kauf gibt es zwei Wege:
- Direkt-Strombezug: der Anbieter kauft Strom direkt aus Erneuerbaren-Kraftwerken (Wind, Solar, Wasser) und führt ihn in der Bilanz zusammen mit deinem Verbrauch.
- Herkunftsnachweise (HKN): der Anbieter kauft konventionellen Strom an der Börse und besorgt zusätzlich HKN-Zertifikate, die belegen, dass irgendwo in Europa entsprechende Menge Ökostrom erzeugt wurde.
Beide Wege sind legal als „Ökostrom" deklarierbar. Aber: nur der erste Weg drängt wirklich Kohle aus dem Markt.
Die 3 wichtigsten Ökostrom-Gütesiegel in Deutschland
1. Grüner Strom Label (GSL)
Das strengste Label. Vergeben vom „Grüner Strom Label e.V." (NABU, BUND und weitere Umweltverbände). Voraussetzungen:
- 100 % Ökostrom aus Erneuerbaren-Anlagen
- Mindestens 1 ct/kWh Aufpreis fließt in NEUE Erneuerbaren-Anlagen
- Keine HKN-Strom-Trickserei – nur direkt eingekaufter Ökostrom zulässig
- Anbieter darf keine Beteiligungen an Atom- oder Kohlekraftwerken haben
2026 tragen ca. 50 Tarife dieses Label – darunter Lichtblick, Naturstrom, EWS Schönau.
2. ok-power Label
Vergeben vom EnergieVision e.V. Etwas weniger streng als GSL, aber immer noch glaubwürdig:
- Mindestens 33 % Strom aus Anlagen jünger als 6 Jahre
- Maximal 50 % Strom aus Anlagen älter als 12 Jahre
- Förderbeitrag für Ausbau Erneuerbarer Pflicht
3. TÜV Süd „Erzeugt aus 100 % erneuerbaren Energien"
Vorsicht: das ist nur eine Bilanz-Prüfung, kein echtes Öko-Siegel. TÜV bestätigt, dass die Zertifikate stimmen – aber HKN aus alten norwegischen Wasserkraftwerken zählen voll, obwohl sie keinerlei Energiewende-Effekt haben. Nicht falsch, aber: kein Premium-Siegel.
Was sind „Wasserkraft-Zertifikate" und warum sind sie problematisch?
Hier das Spielchen: ein Energiekonzern (z. B. RWE oder Vattenfall) verkauft physikalisch Kohlestrom, kauft aber gleichzeitig Herkunftsnachweise aus alten norwegischen Wasserkraftwerken. Diese Wasserkraftwerke produzieren seit 50 Jahren Ökostrom – aber niemand wechselt jetzt von Kohle auf Wasserkraft, weil du den Tarif buchst. Die Bilanz sieht grün aus, der physikalische Strom-Mix ändert sich nicht.
Tipp Stuttgart: Wenn dein „Ökostrom"-Tarif auffallend günstig ist (oft günstiger als grauer Strom!), ist er meist mit HKN-Zertifikaten konstruiert. Echter Ökostrom mit GSL- oder ok-power-Siegel kostet typisch 1-3 ct/kWh mehr als konventioneller Wechseltarif.
Stuttgart-spezifisch: welche regionalen Anbieter taugen wirklich was?
| Anbieter | Verfügbar in Stuttgart | Echter Öko-Anteil | Siegel |
|---|---|---|---|
| EWS Schönau | Ja (bundesweit) | 100 % aus eigenen Anlagen | GSL |
| Naturstrom AG | Ja (bundesweit) | 100 % EE-direkt | GSL + ok-power |
| Lichtblick | Ja (bundesweit) | 100 % EE-direkt | GSL |
| Polarstern | Ja (bundesweit) | 100 % EE-direkt | GSL |
| EnBW Naturstrom | Ja | HKN-basiert | TÜV Süd |
| SWS Stuttgart Ökostrom | Ja (Stuttgart) | Mix EE + HKN | TÜV Süd |
Was kostet echter Ökostrom in Stuttgart Mai 2026?
- Günstige HKN-„Ökostrom"-Tarife: ab 22 ct/kWh (vergleichbar mit grauem Strom)
- Echter Ökostrom mit ok-power: 24-27 ct/kWh
- Premium-Ökostrom mit GSL (Lichtblick, Naturstrom, EWS): 26-29 ct/kWh
Der Aufpreis für echten Ökostrom liegt also bei 2-4 ct/kWh. Für einen 3.500-kWh-Haushalt sind das 70-140 € pro Jahr – das Geld fließt direkt in den Ausbau neuer Wind- und Solaranlagen.
Häufige Fragen zu Ökostrom in Stuttgart
Bringt Ökostrom für mich persönlich etwas, wenn der gleiche Strom-Mix aus der Steckdose kommt?
Ja – aber bilanziell. Du finanzierst über deinen Tarif den Bau neuer Erneuerbaren-Anlagen (bei echten Ökostrom-Anbietern). Damit drängst du langfristig konventionelle Erzeugung aus dem Markt. Der physische Strom-Mix ändert sich für deine Steckdose nicht, der gesamtdeutsche Erzeugungs-Mix schon.
Sind Wärmepumpen-Tarife auch Ökostrom?
Meist nein – Wärmepumpen-Tarife sind in der Regel Spezialtarife mit gesondertem Zähler, der niedrigere Netzentgelte hat. Sie sind oft graue Tarife. Wenn du Wärmepumpen-Strom als Öko willst, gibt es das bei Lichtblick, Naturstrom und einigen lokalen Anbietern.
Lohnt sich SWS-Ökostrom für Stuttgart als Lokal-Bekenntnis?
Wenn dir lokale Verbundenheit wichtig ist: ja. Aber wisse: SWS-Ökostrom ist HKN-basiert (TÜV-Süd-Siegel, kein GSL), also nicht so streng. Echte Ökostrom-Wirkung ist bei EWS, Naturstrom oder Lichtblick stärker.
Was ist mit Mieterstrom-Modellen in Stuttgart?
Bei Mieterstrom-Modellen (PV auf dem eigenen Dach) bekommst du direkt selbst erzeugten Solarstrom geliefert – das ist die strengste Form echten Ökostroms. Aber: das funktioniert nur in Häusern mit installierter PV-Anlage und gesondertem Mieterstrom-Modell. Nicht für alle Stuttgarter Mieter verfügbar.
