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Strom Privatkunden

Zweitarifzähler Stromtarif: HT/NT-Tarife richtig vergleichen und sparen

Mikail Berat Ertekin · · 1695 Wörter · 8 Min. Lesezeit

Wenn du einen Zweitarifzähler hast, kannst du den Stromanbieter genauso wechseln wie andere Haushalte. Der neue Stromtarif muss aber Hochtarif (HT) und Niedertarif (NT) korrekt abrechnen, und du musst anders rechnen als mit dem üblichen Vergleichsrechner. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du einen Zweitarifzähler-Stromtarif richtig vergleichst, wie du aus HT- und NT-Preisen einen ehrlichen Mischpreis berechnest und wann sich der Zweitarif überhaupt noch lohnt.

Was ist ein Zweitarifzähler – und wer hat einen?

Ein Zweitarifzähler, auch Doppeltarifzähler genannt, hat zwei Zählwerke. Eines erfasst den Verbrauch im Hochtarif (HT), meist tagsüber. Das andere erfasst den Verbrauch im Niedertarif (NT), oft nachts. Umgeschaltet wird nicht von dir, sondern vom Netzbetreiber, zum Beispiel per Rundsteuerempfänger oder über eine Schaltuhr.

Typische Fälle für einen Zweitarifzähler:

Die Kernantwort vorweg: Ein Anbieterwechsel ist möglich. Infrage kommen aber nur Tarife, die HT und NT getrennt abrechnen oder den Zweitarifzähler zumindest ausdrücklich unterstützen.

Zweitarifzähler erkennen und richtig ablesen

Am Zähler selbst siehst du entweder zwei getrennte Rollenzählwerke oder ein Display, das abwechselnd zwei Stände anzeigt. Bei elektronischen Zählern tragen die Stände häufig Kennzeichnungen wie 1.8.1 und 1.8.2. Die Bezeichnung kann je nach Gerät abweichen. Welches Zählwerk HT und welches NT ist, steht meist auf dem Zähler oder in deiner Abrechnung.

So liest du richtig ab:

  1. Notiere beide Stände getrennt, mit Datum.
  2. Gleiche die Werte mit der letzten Jahresabrechnung ab. Dort müssen HT- und NT-Verbrauch separat ausgewiesen sein.
  3. Fehlt die Trennung oder wirken die Werte unplausibel, lohnt ein genauer Blick. Wie das geht, erklärt der Artikel Stromabrechnung richtig prüfen.

Schaltzeiten: Wann gilt der Niedertarif?

Die Schaltzeiten für den Niedertarif legt der Netzbetreiber fest, nicht dein Stromanbieter. Deshalb ändern sie sich durch einen Anbieterwechsel in der Regel nicht. NT gilt oft nachts, teils gibt es zusätzliche Zeitfenster. Pauschale Uhrzeiten gibt es aber nicht.

Deine konkreten Zeiten findest du:

Stromtarif für Zweitarifzähler: Darauf musst du beim Vergleich achten

Die meisten Vergleichsrechner fragen nur nach dem Gesamtverbrauch und zeigen einen einzigen Arbeitspreis. Für HT/NT-Kunden führt das schnell in die Irre. Entweder wird der günstigere NT-Anteil ignoriert, oder du landest bei einem Tarif, der deinen Zähler gar nicht abrechnen kann.

Kläre deshalb zuerst, welche Situation bei dir vorliegt:

SituationWas du vergleichst
Haushaltsstrom mit Zweitarifzähler (ein Zähler, zwei Zählwerke)Haushaltstarif mit HT/NT-Unterstützung
Separater Heizstromzähler (eigener Zähler für Nachtspeicher oder Wärmepumpe)eigener Heizstromtarif, getrennt vom Haushaltsstrom

Wer beide Fälle vermischt, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Getrennte HT- und NT-Preise oder ein Einheitspreis?

Beim HT NT Stromtarif gibt es grob zwei Modelle:

Ein Einheitspreis klingt zunächst schlechter, kann aber günstiger sein. Das gilt vor allem, wenn dein NT-Anteil gering ist und der Einheitspreis deutlich unter dem HT-Preis des Zweitarif-Angebots liegt. Entscheidend ist am Ende allein deine Jahressumme.

Grundpreis, Messstellenentgelt und Bonus

Neben den Arbeitspreisen zählen diese Punkte:

Weitere Prüfpunkte findest du in der Checkliste für deinen Stromvertrag.

Rechenbeispiel: So ermittelst du deinen Mischpreis

Um Tarife fair zu vergleichen, berechnest du einen Mischpreis pro kWh. Er rechnet HT, NT und Grundpreis in eine einzige Zahl um. Die folgenden Preise sind reine Beispielwerte, keine aktuellen Marktpreise.

Formel:

(HT-kWh × HT-Preis + NT-kWh × NT-Preis + Grundpreis × 12) ÷ Gesamt-kWh = Mischpreis pro kWh

Ausgangslage: 3.000 kWh HT + 2.000 kWh NT = 5.000 kWh im Jahr

Tarif A (getrennte Preise)Tarif B (Einheitspreis)
HT-Preis34 ct/kWh31 ct/kWh
NT-Preis26 ct/kWh31 ct/kWh
Grundpreis15 €/Monat12 €/Monat
HT-Kosten3.000 × 0,34 € = 1.020 €3.000 × 0,31 € = 930 €
NT-Kosten2.000 × 0,26 € = 520 €2.000 × 0,31 € = 620 €
Grundpreis/Jahr180 €144 €
Jahreskosten1.720 €1.694 €
Mischpreis34,4 ct/kWhca. 33,9 ct/kWh

Bei 40 % NT-Anteil ist der Einheitspreis-Tarif B in diesem Beispiel also etwas günstiger.

Jetzt kippt das Ergebnis: Angenommen, du verbrauchst 1.000 kWh HT und 4.000 kWh NT, typisch bei einer Nachtspeicherheizung.

Jetzt spart Tarif A rund 134 € im Jahr. In diesem Beispiel liegt die Grenze bei etwa 47 % NT-Anteil. Darüber lohnt sich der getrennte Tarif, darunter der Einheitspreis.

Wichtig: Setze immer deine eigenen Verbrauchswerte und die aktuellen Preise der Anbieter ein. Ein Bonus fließt nur in die Rechnung für Jahr 1 ein. Für Jahr 2 rechnest du ohne Bonus neu.

Zweitarifzähler: Lohnt sich das überhaupt noch?

Eine ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Bei vielen Tarifen ist der Preisabstand zwischen Hochtarif und Niedertarif kleiner geworden. Gleichzeitig kosten Zweitarif-Tarife teils mehr Grundpreis, und die Auswahl an passenden Angeboten ist kleiner. Ein guter Eintarif kann deshalb günstiger sein.

Diese Kriterien helfen bei der Entscheidung:

Wenn sich der Zweitarif nicht mehr rechnet, kannst du beim Netz- bzw. Messstellenbetreiber eine Umstellung auf einen Eintarifzähler anfragen. Kläre vorher Aufwand, Kosten und Termin. Mieter sollten zusätzlich mit dem Vermieter sprechen. Wie so ein Tausch abläuft, liest du unter Ablauf und Kosten eines Zählerwechsels.

Sonderfall Nachtspeicherheizung und Wärmepumpe

Läuft deine Nachtspeicherheizung über einen separaten Heizstromzähler, brauchst du dafür einen eigenen Heizstromtarif. Diesen vergleichst du getrennt vom Haushaltsstrom. Normale Haushaltstarife sind dafür meist nicht vorgesehen. Achte beim Heizstrom besonders auf den Mischpreis, denn hier fließt oft der Großteil des Verbrauchs in den NT.

Bei Wärmepumpen kommt ein weiterer Punkt hinzu. Gilt die Anlage als steuerbare Verbrauchseinrichtung, können reduzierte Netzentgelte möglich sein. Die Regeln haben sich in den letzten Jahren geändert und hängen vom Netzbetreiber ab. Prüfe den aktuellen Stand deshalb direkt bei deinem Netzbetreiber. Hintergründe veröffentlicht auch die Bundesnetzagentur. Mehr zum Tarifvergleich speziell für diese Anlagen findest du im Ratgeber Stromtarif für Wärmepumpen.

Hinweis: Hier geht es nur um den passenden Tarif. Eine Förder- oder Gebäudeenergieberatung ist nicht Teil dieses Ratgebers.

Schritt für Schritt: Zweitarifzähler-Stromtarif vergleichen und wechseln

Mit dieser Checkliste kannst du deinen Stromanbieter mit Zweitarifzähler wechseln, ohne etwas zu übersehen:

  1. Letzte Jahresabrechnung holen: HT- und NT-Verbrauch getrennt notieren.
  2. Zählernummer und MaLo-ID bereitlegen: Beides steht auf der Abrechnung.
  3. Schaltzeiten und Zählerart klären: Hast du einen Zweitarifzähler für den Haushalt oder einen separaten Heizstromzähler?
  4. Nur passende Tarife vergleichen: Infrage kommen nur Angebote, die Zweitarif ausdrücklich unterstützen, mit getrennten Preisen oder einem Einheitspreis für beide Zählwerke.
  5. Mischpreis berechnen: Rechne für Jahr 1 mit Bonus und für Jahr 2 ohne Bonus.
  6. Vertragsdetails prüfen: Achte auf Laufzeit, Preisgarantie und Kündigungsfrist.
  7. Wechsel beauftragen: Der neue Anbieter, oder BerosCheck für dich, übernimmt die Kündigung beim alten Versorger.

Der technische Lieferantenwechsel läuft inzwischen deutlich schneller ab als früher. Was das für dich bedeutet, erklärt der Beitrag zu MaLo-ID und schneller Lieferantenwechsel.

Typische Fehler beim Vergleich

Persönliche Unterstützung: Zweitarif-Vergleich per WhatsApp

Wenn dir die Rechnerei zu aufwendig ist, hilft Berat von BerosCheck. Er ist unabhängiger Energieberater aus Böblingen und in Stuttgart und Umgebung tätig. Berat vergleicht Tarife passend zu deinem Zweitarifzähler und berücksichtigt dabei HT- und NT-Verbrauch getrennt. Auf Wunsch übernimmt er den kompletten Wechsel inklusive Kündigung beim alten Anbieter.

Das läuft persönlich per WhatsApp, ohne Callcenter. Für dich ist der Service kostenlos. BerosCheck finanziert sich über eine Vermittlungsvergütung der Energieanbieter. Wie die persönliche Tarifberatung per WhatsApp abläuft, erfährst du im verlinkten Beitrag.

Häufige Fragen zum Zweitarifzähler-Stromtarif

Kann ich mit Zweitarifzähler den Stromanbieter wechseln?

Ja. Wichtig ist, dass der neue Tarif Zweitarifzähler unterstützt, entweder mit getrennten HT/NT-Preisen oder mit einem Einheitspreis für beide Zählwerke.

Ändern sich die NT-Zeiten beim Wechsel?

In der Regel nicht. Die Schaltzeiten legt der Netzbetreiber fest, und der bleibt bei einem Anbieterwechsel derselbe.

Was passiert, wenn der neue Tarif nur einen Preis hat?

Dann werden beide Zählwerke zum gleichen Arbeitspreis abgerechnet. Das kann günstiger sein, wenn dein NT-Anteil gering ist. Rechne es vorher mit dem Mischpreis nach.

Wie melde ich die Zählerstände beim Wechsel?

Lies zum Wechseltermin beide Zählwerke ab und notiere sie mit Datum, am besten mit Foto. Gib beide Stände getrennt an den alten und den neuen Anbieter weiter, wenn du dazu aufgefordert wirst.

Kann ich den Zweitarifzähler abschaffen?

Meist ja, über den Netz- bzw. Messstellenbetreiber. Frag vorher nach Kosten und Ablauf. Bei Nachtspeicherheizungen ist die Umstellung meist nicht sinnvoll.

Gilt das alles auch für Mieter?

Ja, auch Mieter wählen ihren Stromanbieter in der Regel selbst. Für einen Zählertausch brauchst du jedoch meist die Zustimmung des Vermieters. Details findest du im Ratgeber, wie du als Mieter den Stromanbieter wechseln kannst.

Fazit: Mit Zweitarifzähler richtig rechnen statt blind wechseln

Mit einem Zweitarifzähler kannst du genauso sparen wie andere Haushalte, du musst nur genauer hinschauen:

Ob getrennte Preise oder ein Einheitspreis günstiger sind, hängt vor allem von deinem NT-Anteil ab. Wenn du dir die Rechnung sparen möchtest, schick Berat deine Jahresabrechnung per WhatsApp. Er prüft kostenlos, welcher Tarif zu deinem Zähler passt.

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